Südafrika

Im Jahre 2004 war ich für eine Weile in East London um zu arbeiten und konnte in meiner Freizeit einige Beobachtungen zu Vogelspinnen machen.

2017 bereiste ich die Mpumalamga und Limpopo Provinz zusammen mit dem Team des Baboon Spider Atlas um die Lebensweise von Vogelspinnen zu dokumentieren. Die folgend gezeigten Bilder sind daher eine Mischung aus über 10 Jahre altem Material und moderner digitaler Technik.

2004 konnte ich Beobachtungen zur Lebensweise und Kokonbau von Harpactira guttata in Habitat machen. Ein Artikel dazu ist in der folgenden 

Ausgabe der Arachne erschienen.

 Auch in größeren Städten wie Kapstadt kann man Beobachtungen zu Spinnentieren machen. Neben Harpactirella spp. welche in der Umgebung vorkommen

ist es sehr einfach Latrodectus geometricus zu finden.

 Tafelberg

Auf einem kleinen Hügel in der Nähe des Hafens ( Lion Head ) kann man unter Holzstücken sehr viele Latrodectus geometricus finden. Im Gegensatz von in Terrarien nachgezogenen Tieren, die ich bisher sehen konnte, sind die Tiere in Südafrika wesentlich größer. Latrodectus geometricus konnte ich aber nicht nur in Kapstadt , sondern auch im gesamten Western Cape finden. Am häufigsten sind die Tiere am Boden unter Holzstücken oder Steinen zu finden, die etwas vom Boden hochragen.

Habitat von Lactrodectus geometricus in Kapstadt:

Latrodectus geometricus ist anhand der Kokonform von anderen Larodectus spp. zu unterscheiden

 

Im gleichen Habitat konnte ich unter Steinen und Holzstücken auch  Gandamameno sp. finden. Diese Spinnen bauen sich schlauchförmige Röhren aus Gespinnst und leben sehr versteckt. Weibchen erreichen ca. 1,5 cm Körperlänge

Eine im südlichen Afrika verbreitete Gattung Spinnen , welche dort unter dem Namen "Rain Spiders" bekannt ist, verdient aufgrund ihrer besonderen Fortpflanzungsmethode eine besondere Betrachtung. Die Rede ist von der Gattung Palystes, die zu der Familie der Hetropodidae gehört. In Südafrika gibt es insgesamt 15 Spezies, die anhand der Geschlechtsorgane der Männchen und Weibchen in 3 Gruppen aufgeteilt werden können. Zur ersten Gruppe ( Castaneus Gruppe ) aus dem Western Cape kann man 3 Spezies zählen. Die Lunatus - Gruppe mit 6 Spezies kommt im Eastern Cape, im inneren Western Cape, in der Transkei und Lesotho vor. Die dritte und letzte Gruppe ( Superciliosus - Gruppe ) beinhaltet 6 Spezies aus dem östlichen und südlichen Afrika.
Die Arten mit der weitesten Verbreitung im Western und Eastern Cape sind Palystes castaneus und Palystes superciliosus. Palystes spp. sind nächtliche Jäger, die sich am Tage hinter Baumrinde, Steinen etc. verstecken und keine Netze o.ä. als Unterschlupf benutzen. Ich konne selber beobachten, dass Palystes sp. jede Nacht immer wieder die gleichen Verstecke aufsuchten und somit sehr ortstreu sind.

Sowohl Palystes castaneus als auch Palystes superciliosus benutzen bei der Reproduktion für den Kokonbau Blätter, Zweige und andere ähnliche Materialien, um daraus einen fest mit Spinnseide umgebenen Ball zu formen. Dieser wird dann entweder zwischen Dornsträuchern frei hängend befestigt oder z.B. frei an einen Felsen gehängt. Die weiblichen Tiere bleiben in der Nähe des Kokons und reparieren ihn , falls Beschädigungen auftreten. Bei P. superciliosus dauert es ca. 17 Tage , bis im Inneren die Jungspinnen schlüpfen und weitere 4 Tage, bis sie den Kokon verlassen ( Warren, 1926 ). Die Tiere verbleiben noch einige Tage auf dem Kokon und werden während dieser Zeit von dem Muttertier gegen mögliche Feinde verteidigt. Es wurde beobachtet, dass P. superciliosus während ihrer Lebenszeit von ca. 18-24 Monaten in mehreren Kokons ca. 800 Eier legt. Die Zeit vom Schlupf bis zum adulten Tier soll in Gefangenschaft ca. 10 Monate betragen. Literaratur:  P.M.C. Croeser , 1996 " A revision of the African spider genus Palystes , L. Koch, 1875 "

Hier verschiedene Bilder von Palystes spp. Kokons:

 

Jungspinnen im geöffneten Kokon:

adulte Palystes sp. , welche sich tagsüber in einem Stromkasten versteckte:

 Auch bezüglich Skorpionen bietet Südafrika eine große Vielfalt. Rund um Kapstadt kann man die große Art Opistophtalmus capensis finden.

Auf dem Bild ist ein adultes Männchen zu sehen

Ich möchte auch  eine in dieser Region vorkommende Schabenart vorstellen. Die "Cape Mountain Cockroach" Aptera fusca ist mit ca. 4 cm Kl bei den ungeflügelten Weibchen eine recht große Schabenart. Die geflügelten Männchen sind etwas kleiner. Das Interessante an den Tieren ist, dass die Weibchen bei der Reproduktion ihre Jungen für eine Weile beschützen sollen. Des weiteren können die Tiere bei Bedrohung Laute von sich geben. Ich habe die Tiere nicht nur in der Cape Region, sondern auch wesentlich weiter östlich in der Nähe von Knysna finden können.


Weibchen von Aptera fusca:

Ein weiterer netter Ort im Western Cape in Richtung Osten ist Swellendam. Gleich in der Nähe liegt das Marloth Nature Reserve entlang der Langeberg Mountains:

Zur Suche nach Vogelspinnen bietet sich die umliegende Landschaft an. Im folgenden Bild ein typisches Habitat der Gattung Harpactira , die rund um Swellendam verbreitet ist.

Es gibt zwei verschiedene Harpactira spp. in der Umgebung , eine kleinere lebt unter Steinen in flachen mit Gespinnst verkleideten Mulden unter Steinen, eine größere Art gräbt auch Röhren in den Boden. 

In einem solchen Habitat findet man fast immer Vogelspinnen:

Die Ausgänge der Unterschlüpfe sind von Außen eigentlich nicht zu erkennen, so dass die Suche nach Vogelspinnen im wesentlichen das Umdrehen von zahlreichen Steinen bedeutet.

Ausgang einer Wohnröhre unter einem Stein

Nach Entfernung des gleichen Steines:

 Hier eine der unter Steinen lebenden Harpactira sp. Robertson:

 

Auf dem folgenden Bild erkennt man ein Tier der zweiten Art aus diesem Gebiet, welches den Ausgang des Unterschlupfes in einem Grasbüschel angelegt hat. Man erkennt auf dem Rücken des Tieres einen der Feinde von freilebenden Vogelspinnen - eine Larve einer Ichneumonidae ( Schlupfwespe ).

Harpactira dictator

 Auf der Suche nach Spinnen und beim Umdrehen von Steinen findet man häufig auch andere Tiere, die sich am Tage verstecken.

Auch in Swellendam konnte ich Latrodectus geometricus finden.

Des weiteren leben in dieser Region verschiedene Arten von Skorpionen:

Parabuthus planicauda

Opisthacanthus sp.

Eine hier verbreitete recht bizarre Spinnenart sind Palpimanidae. Diese Tiere haben ein stark verlängertes erstes Beinpaar und ernähren sich hauptsächlich von anderen Spinnen. Interessant sind die Drohgebärden der nicht mal 1 cm kleinen Spinnen. Sie richten ihr erstes Beinpaar auf und reiben ihre Chelizeren aneinander. Damit scheinen sie die im gleichen Habitat vorkommenden Solifugidae nachzumachen, die ein ähnliches Drohverhalten zeigen.


Palpimanidae sp.

Dieses ist eine Solifugidae sp. aus dem gleichen Habitat:

 

Ungefähr in der Mitte der Strecke zwischen Kapstadt und Durban liegt die Küstenstadt East London. Hier habe ich 2004 die meiste Zeit meines Aufenthaltes verbracht und meine recht spärliche Freizeit für Ausflüge in die Umgebung genutzt. Die Gegend um East London ist nicht nur zunehmend stark besiedelt, sie wird auch mehr und mehr touristisch erschlossen. In der Umgebung von East London fand ich 2004 Harpactira guttata. Im gleichen Habitat war bereits 2006 ein Golfplatz errichtet worden.

Die Tiere konnte ich in der Umgebung des Kei Rivers finden. 

Übrigens handelt es sich bei den in den letzten Jahren als Harpactira sp.Kei River gehandelten Tieren in Deutschland um nichts anderes als Harpactira guttata.

 

Habitat Harpactira guttata

Die Tiere bauen nur ca. 20 cm tiefe Röhren schräg in den Boden. Umliegende Gräser, Blätter etc. werden in den Eingang mit eingesponnen.

Typischerweise für Harpactira spp. werden die Kokons wie eine Hängematte aufgehängt

Harpactira guttata Weibchen

Harpactira guttata adultes Männchen

 Im Frühjahr 2017 war ich dann für eine Woche mit den Jungs vom Baboon Spider Atlas in der Limpopo und Mpumalamga Province unterwegs, um Vogelspinnen im 

natürlichen Habitat zu fotografieren ( http://www.baboonspideratlas.co.za )

 

In der Limpopo Provinz waren wir in einer bergigen Gegend auf ca. 1200m Höhe unterwegs, hier war es zeitweise recht kühl und ungemütlich, jedoch konnte man 

trotzdem diverse Arten von Vogelspinnen finden. 

Da auch hier die Arbeit hauptsächlich aus dem Umdrehen von Steinen bestand, konnte man noch viele andere interessante Tiere finden wie z.B. diese

wunderschöne farbenfrohe Scolopendra sp.

 

Auch diese hübsch gezeichneten Tausendfüsser waren sehr häufig unter Steinen zu finden:

Hier eine junge Crotapopheltis hotamboiae

Sehr putzige Gesellen sind die Rain Frogs 

Auch eine große Amblypygi sp. war sehr häufig unter und zwischen Steinen unterwegs

Natürlich kamen auch Skorpione häufig vor. Hier einer der giftigsten , Parabuthus transvaalicus

Opisthacanthus sp

Dieses hübsche Tier ist ein Uroplectes flavoviridis

An Vogelspinnen gab es natürlich auch einiges zu entdecken. Einer der häufigsten und auch im Nordosten Südafrikas verbreiteten Arten ist Harpactirella overdijki.

Die Tiere leben unter Steinen, unter denen sie sich flache Gänge graben.

Habitat Harpactirella overdijki

Gespinnst unter einem Stein

Spiderlinge von Harpactirella overdijki. Typisch sind die rötlichen Beine der Spiderlinge

 

 

adultes Weibchen

Harpactirella overdijki im Habitat:

 Im gleichen Habitat ebenfalls unter Steinen finden sich auch Exemplare der Gattung Brachionopus. Dieses ist genauso wie Harpactirella eine klein bleibende 

Vogelspinnenart.

Juveniles Tier

adulte Brachionopus spp.

 

Brachionopus sp. im Habitat:

 

Auf 1400 Metern Höhe konnten wir ein großes und wunderschönes Exemplar von Harpactira gigas finden. Auch dieses Exemplar hatte seinen Unterschlupf unter einem Stein angelegt.

 

Harpactira gigas, adultes männchen

Auch Ceratogyrus darlingi kommt in der Limpopo Provinz vor. Dieses Exemplar wurde ebenfalls unter einem Stein gefunden. Weiter südlich in der Mpumalamga Provinz fand ich diese Tiere ausschließlich in Röhren.

Ceratogyrus darlingi

In der Umgebung sehr häufig sind die großen und schön gefärbten " Armored Ground Crickets " Acanthoplus sp.

Nicht vorenthalten möchte ich auch dieses Chamäleon, welches erschreckend wehrhaft war, als ich ihm über die Strasse helfen wollte.

Dann ging es weiter Richtung Süden in die Mpumalanga Provinz, die eine fantastische Landschaft mit einer tollen Tierwelt aufweist.

 

Dyspholidus typus, eine der gefährlichsten Schlangen Südafrikas 

Im Gegensatz zur afrikanischen Hausschlange, ein völlig ungefährlicher Geselle ( Lamprophis sp. )

Natürlich gab es bezüglich Spinnen einiges zu entdecken. In dieser Gegend kommt mit Nephila senegalensis vor:

Dieses Exemplar hat sich eine schöne Aussicht für den Bau seines Netztes ausgesucht. Im Netz ist ebenfalls ein Männchen zu sehen.

 große Argiope sp.

Unter Steinen waren diese gut getarnten Exemplare einer Selenops sp. zu finden

männliches Tier:

Vogelspinnen gibt es in dieser Gegend zu genüge zu finden. Am häufigsten findet man Augacephalus junodi. Diese Art kommt in Kolonien vor. So finden sich meist die Löcher adulter Tiere und mehrere juvenile in einem Umkreis von ca. 30 Metern.

Habitat:

Verschiedene Röhren von Augacephalus junodi

Augacephalus junodi ist auch nachts relativ schwer aus den Unterschlüpfen zu locken. Zumeist schnappen sie einmal schnell nach einem Grashalm o.ä. und verschwinden dann schnell wieder in ihren Löchern.

juveniles Tier

adultes Weibchen

 

Augacephalus junodi im Habitat:

 Es gibt neben Harpactirella overdijki und Ideothele nigrofulva ,welche ebenfalls in diesem Gebiet leben noch eine vierte Vogelspinnenart, welche das Habitat mit Augacephalus junodi teilt.

Ceratogyrus darlingi kommt nicht in Kolonien vor, ist aber häufig zu finden und lebt unmittelbar neben A. junodi. Das bedeutet, man kann quasi beide Arten gleichzeitig filmen.

Wohnröhren von Ceratogyrus darlingi

adultes Weibchen 

adultes Männchen 

Man kann hier sehen, dass die adulten männlichen Exemplare in der Natur wesentlich größer und prächtiger werden, als die Tiere, welche man in Gefangenschaft zu sehen bekommt

Ceratogyrus darlingi im Habitat: