Südafrika

Im Jahre 2004 war ich für eine Weile in East London um zu arbeiten und konnte in meiner Freizeit einige Beobachtungen zu Vogelspinnen machen.

2017 bereiste ich die Mpumalamga und Limpopo Provinz zusammen mit dem Team des Baboon Spider Atlas um die Lebensweise von Vogelspinnen zu dokumentieren. 2018 bereiste ich für 2 Monate die Garden Route im Süden des Landes. Die folgend gezeigten Bilder sind daher eine Mischung aus über 10 Jahre altem Material und moderner digitaler Technik.

2004 konnte ich Beobachtungen zur Lebensweise und Kokonbau von Harpactira guttata in Habitat machen. Ein Artikel dazu ist in der folgenden 

Ausgabe der Arachne erschienen.

 Auch in größeren Städten wie Kapstadt kann man Beobachtungen zu Spinnentieren machen. Neben Harpactirella spp und Harpactira spp. . welche in der Umgebung vorkommen , ist es sehr einfach Latrodectus geometricus zu finden.

 Tafelberg

Auf einem kleinen Hügel in der Nähe des Hafens ( Lion Head ) kann man unter Holzstücken sehr viele Latrodectus geometricus finden. Im Gegensatz von in Terrarien nachgezogenen Tieren, die ich bisher sehen konnte, sind die Tiere in Südafrika wesentlich größer. Latrodectus geometricus konnte ich aber nicht nur in Kapstadt , sondern auch im gesamten Western Cape finden. Am häufigsten sind die Tiere am Boden unter Holzstücken oder Steinen zu finden, die etwas vom Boden hochragen.

Habitat von Lactrodectus geometricus in Kapstadt:

Latrodectus geometricus ist anhand der Kokonform von anderen Larodectus spp. zu unterscheiden

 

Im gleichen Habitat konnte ich unter Steinen und Holzstücken auch  Gandamameno sp. finden. Diese Spinnen bauen sich schlauchförmige Röhren aus Gespinnst und leben sehr versteckt. Weibchen erreichen ca. 1,5 cm Körperlänge

Eine im südlichen Afrika verbreitete Gattung Spinnen , welche dort unter dem Namen "Rain Spiders" bekannt ist, verdient aufgrund ihrer besonderen Fortpflanzungsmethode eine besondere Betrachtung. Die Rede ist von der Gattung Palystes, die zu der Familie der Hetropodidae gehört. In Südafrika gibt es insgesamt 15 Spezies, die anhand der Geschlechtsorgane der Männchen und Weibchen in 3 Gruppen aufgeteilt werden können. Zur ersten Gruppe ( Castaneus Gruppe ) aus dem Western Cape kann man 3 Spezies zählen. Die Lunatus - Gruppe mit 6 Spezies kommt im Eastern Cape, im inneren Western Cape, in der Transkei und Lesotho vor. Die dritte und letzte Gruppe ( Superciliosus - Gruppe ) beinhaltet 6 Spezies aus dem östlichen und südlichen Afrika.
Die Arten mit der weitesten Verbreitung im Western und Eastern Cape sind Palystes castaneus und Palystes superciliosus. Palystes spp. sind nächtliche Jäger, die sich am Tage hinter Baumrinde, Steinen etc. verstecken und keine Netze o.ä. als Unterschlupf benutzen. Ich konne selber beobachten, dass Palystes sp. jede Nacht immer wieder die gleichen Verstecke aufsuchten und somit sehr ortstreu sind.

Sowohl Palystes castaneus als auch Palystes superciliosus benutzen bei der Reproduktion für den Kokonbau Blätter, Zweige und andere ähnliche Materialien, um daraus einen fest mit Spinnseide umgebenen Ball zu formen. Dieser wird dann entweder zwischen Dornsträuchern frei hängend befestigt oder z.B. frei an einen Felsen gehängt. Die weiblichen Tiere bleiben in der Nähe des Kokons und reparieren ihn , falls Beschädigungen auftreten. Bei P. superciliosus dauert es ca. 17 Tage , bis im Inneren die Jungspinnen schlüpfen und weitere 4 Tage, bis sie den Kokon verlassen ( Warren, 1926 ). Die Tiere verbleiben noch einige Tage auf dem Kokon und werden während dieser Zeit von dem Muttertier gegen mögliche Feinde verteidigt. Es wurde beobachtet, dass P. superciliosus während ihrer Lebenszeit von ca. 18-24 Monaten in mehreren Kokons ca. 800 Eier legt. Die Zeit vom Schlupf bis zum adulten Tier soll in Gefangenschaft ca. 10 Monate betragen. Literatur:  P.M.C. Croeser , 1996 " A revision of the African spider genus Palystes , L. Koch, 1875 "

Hier verschiedene Bilder von Palystes spp. Kokons:

 

Jungspinnen im geöffneten Kokon:

adulte Palystes sp. , welche sich tagsüber in einem Stromkasten versteckte:

 Eine Palystes sp. aus dem Eastern Cape aus der Nähe von Port Elizabeth

Auch bezüglich Skorpionen bietet Südafrika eine große Vielfalt. Rund um Kapstadt kann man die große Art Opistophtalmus capensis finden.

Auf dem Bild ist ein adultes Männchen zu sehen

Ein weiterer Opithophtalmus capensis, gefunden unter einem Stein.

Ich möchte auch  eine in dieser Region vorkommende Schabenart vorstellen. Die "Cape Mountain Cockroach" Aptera fusca ist mit ca. 4 cm Kl bei den ungeflügelten Weibchen eine recht große Schabenart. Die geflügelten Männchen sind etwas kleiner. Das Interessante an den Tieren ist, dass die Weibchen bei der Reproduktion ihre Jungen für eine Weile beschützen sollen. Des weiteren können die Tiere bei Bedrohung Laute von sich geben. Ich habe die Tiere nicht nur in der Cape Region, sondern auch wesentlich weiter östlich in der Nähe von Knysna finden können.


Weibchen von Aptera fusca:

 

Bezüglich Vogelspinnen ist die Art Harpactira atra am einfachsten in  der Gegend in und um Kapstadt zu finden. Die Harpactirella spp. leben wesebtlich versteckter. 

Hier ein Beispiel vom Habitat von Harpactira atra:

Die Tiere sind unter Steinen am ehesten zu finden:

Unter den Steinen graben sich die Tiere Mulden, von denen es tiefer in die Erde geht. Die Tiere haben sich sehr gut an die vor allem im Winter sehr kühlen Temperaturen in der Gegend angepasst.

junges Weibchen von Harpactira atra:

 Ein weiterer netter Ort im Western Cape in Richtung Osten ist Swellendam. Gleich in der Nähe liegt das Marloth Nature Reserve entlang der Langeberg Mountains, ebenfalls in der Nähe liegen die Ortschaften Robertson und Bonnievale. 

 

 

In der  Gegend lebt die Art Harpactira sp. Robertson.  Obwohl diese Spinnen sehr einfach zu finden sind und eine sehr große Verbreitung haben (eigentlich unter jedem Stein ), sind diese nicht offiziell wissenschaftlich beschrieben. Es wird jedoch vermutet, dass es sich hierbei um Harpactira lyrata  handelt. In der Erstbeschreibung dieser Art wird als Herkunft nur Südafrika angegeben.

Zur Suche nach Vogelspinnen bietet sich die umliegende Landschaft an. Im folgenden Bild ein typisches Habitat der Gattung Harpactira , die rund um Swellendam verbreitet ist.


In einem solchen Habitat findet man fast immer Vogelspinnen:

Die Ausgänge der Unterschlüpfe sind von Außen eigentlich nicht zu erkennen, so dass die Suche nach Vogelspinnen im wesentlichen das Umdrehen von zahlreichen Steinen bedeutet.

Ausgang einer Wohnröhre unter einem Stein

Nach Entfernung des gleichen Steines:

Hier eine der unter Steinen lebenden Harpactira sp. Robertson. Obwohl diese Vogelspinnenart nicht groß ist, haben sie eine sehr  attraktive Färbung. Vor allem nach der Häutungerstrahlen sie in einer goldenen Farbe:

 

 

Hier ein Bild aus dem Habitat in der Nähe von Robertson

Spiderling von Harpactira sp. Robertson

frisch gehäutetes juveniles Tier :

 

Adultes Männchen von Harpactira so. Robertson

adultes Weibchen von Harpactira sp. Robertson

Auf dem folgenden Bild erkennt man ein Tier t, welches den Ausgang des Unterschlupfes in einem Grasbüschel angelegt hat. Man erkennt auf dem Rücken des Tieres einen der Feinde von freilebenden Vogelspinnen - eine Larve einer Ichneumonidae ( Schlupfwespe ).

Hier ein Video über Harpactira sp. Robertson in der Natur:

In Südafrika gilt bezüglich Vogelspinnen die Regel, dass neben einer großen Vogelspinnenart auch immer eine kleine im gleichen Habitat lebt. Sei es eine Harpactirella sp.  oder eine Harpactira wie H. sp. Robertson. . Rund um Robertson und Swellendam bis weit in den Osten findet man ebenfalls Harpactira dictator. Diese Tiere werden wesentlich größer als Harpactira sp. Robertson

 Rund um den Ort Oudtshoorn konnte ich Harpactira dictator in großer Häufigeit finden. Oudtshoorn ist bekannt für seine Straußenfarmen.

 Habitat von Harpactira dictator:

Die meisten Tiere fanden sich unter Steinen. Die großen adulten Weibchen nehmen auch häufig Bauten von Wühlmäusen an.

Unterschlupf , welcher zwischen zwei Steinen war:

 

 

Hier ein juveniles Tier nach Entfernen eines Steines :

 

Harpactira dictator : 

 

Auch die adulten Männchen dieser Art werden sehr groß. Dieser ist mir beim Grillen quasi vor die Füße gelaufen:

Auf der Suche nach Spinnen und beim Umdrehen von Steinen findet man häufig auch andere Tiere, die sich am Tage verstecken.

Häufig sind Hunderzfüsser in allen Farben und Größen:

Auch in Swellendam konnte ich Latrodectus geometricus finden.

Des weiteren leben in dieser Region verschiedene Arten von Skorpionen:

Parabuthus planicauda

Opisthacanthus sp.

Eine hier verbreitete recht bizarre Spinnenart sind Palpimanidae. Diese Tiere haben ein stark verlängertes erstes Beinpaar und ernähren sich hauptsächlich von anderen Spinnen. Interessant sind die Drohgebärden der nicht mal 1 cm kleinen Spinnen. Sie richten ihr erstes Beinpaar auf und reiben ihre Chelizeren aneinander. Damit scheinen sie die im gleichen Habitat vorkommenden Solifugidae nachzumachen, die ein ähnliches Drohverhalten zeigen.


Palpimanidae sp.

Dieses ist eine Solifugidae sp. aus dem gleichen Habitat:

 Direkt an der Küste entlang der wunderschönen Garden Route gibt es auch noch unbeschriebene Harpactira sp. zu finden.

Habitat:

Kurz vor meinem Besuch hat es in der Gegend gebrannt; des weiteren gab es auch keine Areale in denen man Vogelspinnen finden kann. Umso erfreuter war ich, eine wilde Müllkippe zu finden. Diese sind ein perfekter Ort für Vogelspinnen:

Unter diesen Platten fanden sich mehrere Exemplare einer Harpactira sp.

In der gleichen Gegend lebt auch Opisthacantus capensis 

Weiter Richtung Osten in der Nähe von Port Elizabeth kann man u.a. Harpactira tigrina finden. Obwohl es zur Zeit meines Besuches in der Gegend nit nächtlichen Temperaturen von cam 10 Grad und Tagestemperaturen von 19-20 Grad sehr frisch warm hatten alle von mir gefundenen Weibchen dieser Art Kokons oder bereits Larven.

Das Habitat der Tiere hatte die schönste Aussicht, die man sich vorstellen kann:

Auch hier waren die Bauten der Spinnen in einer von Menschen manipulierten Umgebung. Diese bietet ideale Lebensbedingungen .

Harpactira tigrina im Unterschlupf mit bereits geschlüpften Larven:

Typischer Kokon einer Harpactira sp. , diese werden wie eine Hängematte im vorderen Teil des Unterschlupfes befestigt.

 

Larve von Harpactira tigrina

Weibchen von Harpactira tigrina

Ungefähr in der Mitte der Strecke zwischen Kapstadt und Durban liegt die Küstenstadt East London. Hier habe ich 2004 die meiste Zeit meines Aufenthaltes verbracht und meine recht spärliche Freizeit für Ausflüge in die Umgebung genutzt. Die Gegend um East London ist nicht nur zunehmend stark besiedelt, sie wird auch mehr und mehr touristisch erschlossen. In der Umgebung von East London fand ich 2004 Harpactira guttata. Im gleichen Habitat war bereits 2006 ein Golfplatz errichtet worden.

Die Tiere konnte ich in der Umgebung des Kei Rivers finden. 

Übrigens handelt es sich bei den in den letzten Jahren als Harpactira sp.Kei River gehandelten Tieren in Deutschland um nichts anderes als Harpactira guttata.

 

Habitat Harpactira guttata

Die Tiere bauen nur ca. 20 cm tiefe Röhren schräg in den Boden. Umliegende Gräser, Blätter etc. werden in den Eingang mit eingesponnen.

Typischerweise für Harpactira spp. werden die Kokons wie eine Hängematte aufgehängt

Harpactira guttata Weibchen

Harpactira guttata adultes Männchen

Im Frühjahr 2017 war ich dann für eine Woche mit den Jungs vom Baboon Spider Atlas in der Limpopo und Mpumalamga Province unterwegs, um Vogelspinnen im 

natürlichen Habitat zu fotografieren ( http://www.baboonspideratlas.co.za )

 

In der Limpopo Provinz waren wir in einer bergigen Gegend auf ca. 1200m Höhe unterwegs, hier war es zeitweise recht kühl und ungemütlich, jedoch konnte man 

trotzdem diverse Arten von Vogelspinnen finden. 

Da auch hier die Arbeit hauptsächlich aus dem Umdrehen von Steinen bestand, konnte man noch viele andere interessante Tiere finden wie z.B. diese

wunderschöne farbenfrohe Scolopendra sp.

 

Auch diese hübsch gezeichneten Tausendfüsser waren sehr häufig unter Steinen zu finden:

Hier eine junge Crotapopheltis hotamboiae

Sehr putzige Gesellen sind die Rain Frogs 

Auch eine große Amblypygi sp. war sehr häufig unter und zwischen Steinen unterwegs

Natürlich kamen auch Skorpione häufig vor. Hier einer der giftigsten , Parabuthus transvaalicus

Opisthacanthus sp

Dieses hübsche Tier ist ein Uroplectes flavoviridis

An Vogelspinnen gab es natürlich auch einiges zu entdecken. Einer der häufigsten und auch im Nordosten Südafrikas verbreiteten Arten ist Harpactirella overdijki.

Die Tiere leben unter Steinen, unter denen sie sich flache Gänge graben.

Habitat Harpactirella overdijki

Gespinnst unter einem Stein

Spiderlinge von Harpactirella overdijki. Typisch sind die rötlichen Beine der Spiderlinge

 

 

adultes Weibchen

Harpactirella overdijki im Habitat:

 Im gleichen Habitat ebenfalls unter Steinen finden sich auch Exemplare der Gattung Brachionopus. Dieses ist genauso wie Harpactirella eine klein bleibende 

Vogelspinnenart.

Juveniles Tier

adulte Brachionopus spp.

 

Brachionopus sp. im Habitat:

 

Auf 1400 Metern Höhe konnten wir ein großes und wunderschönes Exemplar von Harpactira gigas finden. Auch dieses Exemplar hatte seinen Unterschlupf unter einem Stein angelegt.

 

Harpactira gigas, adultes männchen

Auch Ceratogyrus darlingi kommt in der Limpopo Provinz vor. Dieses Exemplar wurde ebenfalls unter einem Stein gefunden. Weiter südlich in der Mpumalamga Provinz fand ich diese Tiere ausschließlich in Röhren.

Ceratogyrus darlingi

In der Umgebung sehr häufig sind die großen und schön gefärbten " Armored Ground Crickets " Acanthoplus sp.

Nicht vorenthalten möchte ich auch dieses Chamäleon, welches erschreckend wehrhaft war, als ich ihm über die Strasse helfen wollte.

Dann ging es weiter Richtung Süden in die Mpumalanga Provinz, die eine fantastische Landschaft mit einer tollen Tierwelt aufweist.

 

Dyspholidus typus, eine der gefährlichsten Schlangen Südafrikas 

Im Gegensatz zur afrikanischen Hausschlange, ein völlig ungefährlicher Geselle ( Lamprophis sp. )

Natürlich gab es bezüglich Spinnen einiges zu entdecken. In dieser Gegend kommt mit Nephila senegalensis vor:

Dieses Exemplar hat sich eine schöne Aussicht für den Bau seines Netztes ausgesucht. Im Netz ist ebenfalls ein Männchen zu sehen.

 große Argiope sp.

Unter Steinen waren diese gut getarnten Exemplare einer Selenops sp. zu finden

männliches Tier:

Vogelspinnen gibt es in dieser Gegend zu genüge zu finden. Am häufigsten findet man Augacephalus junodi. Diese Art kommt in Kolonien vor. So finden sich meist die Löcher adulter Tiere und mehrere juvenile in einem Umkreis von ca. 30 Metern.

Habitat:

Verschiedene Röhren von Augacephalus junodi

Augacephalus junodi ist auch nachts relativ schwer aus den Unterschlüpfen zu locken. Zumeist schnappen sie einmal schnell nach einem Grashalm o.ä. und verschwinden dann schnell wieder in ihren Löchern.

juveniles Tier

adultes Weibchen

 

Augacephalus junodi im Habitat:

 Es gibt neben Harpactirella overdijki und Ideothele nigrofulva ,welche ebenfalls in diesem Gebiet leben noch eine vierte Vogelspinnenart, welche das Habitat mit Augacephalus junodi teilt.

Ceratogyrus darlingi kommt nicht in Kolonien vor, ist aber häufig zu finden und lebt unmittelbar neben A. junodi. Das bedeutet, man kann quasi beide Arten gleichzeitig filmen.

Wohnröhren von Ceratogyrus darlingi

adultes Weibchen 

adultes Männchen 

Man kann hier sehen, dass die adulten männlichen Exemplare in der Natur wesentlich größer und prächtiger werden, als die Tiere, welche man in Gefangenschaft zu sehen bekommt

Ceratogyrus darlingi im Habitat: